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Dolceacqua, Feuerwerk und die Michetta

Dolceacqua ist einewunderschöne Ortschaft im Nervia-Tal und August ist hier der Monat der Geschichte und der Legenden. Die „Michetta“, ein für hier typisches Gebäck mit der lokalen Herkunftsbezeichnung „Deco“ hat eine jahrhundertelange Tradition, die bis zur Mitte des 14. Jh. zurückreicht. Der damalige Herrscher von Dolceacqua, Imperiale Doria, residierte in dem Schloss, dass bis heute über dem Ort thront. Er war ein bei den Einwohnern des Ortes, aber auch im Umland verhasster Tyrann, weil er gewöhnlich die Ortschaften plünderte und sich ihre Habe, die Tiere und auch die Frauen nahm. In Dolceacqua gab er dem Volk wenig Rechte, verlangte sehr hohe Steuern und wendete das „Ius primae noctis“ an, ein Recht, das ihm die Macht über das Vieh, die Habe und die Frauen der Untertanen gab.

Die Legende besagt, dass sich Imperiale Doria in Lucrezia, die Tochter des Bäckers verliebte, die aber einen anderen Mann liebte. Als der Herrscher von Dolceacqua von der bevorstehenden Hochzeit der anmutigen Jungfrau erfuhr, wollte er das Recht anwenden, mit ihr die erste Hochzeitsnacht zu verbringen.

Lucrezia war von dieser Vorstellung so abgestoßen, dass sie ihren Liebsten heimlich heiratete. Als Imperiale‘s Handlanger dies bemerkten, entführten sie die Braut und sperrten sie in das Schlossverlies. Der arme Bräutigam war verzweifelt, aber entschlossen sie zu retten. Er mobilisierte die Bevölkerung gegen den Gutsbesitzer aus dem Hause Doria und schmuggelte sich auf einem Heuwagen versteckt in das Schloss. Es gelang ihm, die privaten Gemächer von Imperiale zu erreichen.

Indem er den König mit dem Messer bedrohte, gelang es dem Burschen, ihn zu eine Unterschrift zu zwingen, mit der er die Steuern aufhob, mehr Rechte einräumte und, vor allem, für immer das „Ius primae noctis“ abschaffte. Die Freude über diesen „Putsch“ wurde von einem traurigen Fund überschattet: dem toten Körper von Lucrezia. Um die gewonnene Freiheit zu feiern, die sie auch dem Opfer der jungen Frau zu verdanken hatten, erfanden die Frauen von Dolceacqua ein süßes Gebäck mit sehr weibliche Formen, das sie „Michetta“ nannten.

Auch heute wird dieser Erfolg noch gefeiert und so ist der 16. August seit mehr als sieben Jahrhunderten der „Tag der Michetta“. Die jungen Männer des Orts spazieren singend mit einem kleinen Orchester und zwei Eseln im Gefolge durch die Weinkeller und Gassen von Dolceacqua bis zum Haus ihrer Liebsten in der Hoffnung von ihr eine „Michetta“ zu bekommen. Wenn die junge Frau einen mit Gebäck gefüllten Korb bereithält, kann das Umwerben seinen Gang gehen.

Am Samstag nach dem 15. August findet in Dolceacqua hingegen ein Feuerwerk statt, bei dem die Legenden des Ortes erzählt und von Musik und Feuerwerk begleitet werden.

Eine einmalige Szenerie am Fuße des Schlosses der Doria, ein magischer Ort, voller Geschichte und Tradition.

[Samirah Muran]

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